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Neustrelitz - die Residenzstadt in der Mecklenburgischen Seenplattebis Moderne, kulturelle Traditionen und eine Parklandschaft, die Stadt und Natur unmittelbar verbindet, bestimmen bis heute das Flair von Neustrelitz, der 1733 gegründeten Residenzstadt der Herzöge von Mecklenburg-Strelitz rund 100 Kilometer nördlich von Berlin. Neustrelitz entstand als spätbarocke Planstadt, nachdem die wenige Kilometer entfernte ursprüngliche Residenz Strelitz im Jahr 1712 abgebrannt und zwischen 1726 und 1731 ein Jagdschloss am Zierker See zum neuen Residenzschloss ausgebaut worden war. Das Herzogtum Mecklenburg- Strelitz entstand aufgrund der letzten mecklenburgischen Landesteilung. In dem kleinen Fürstentum konnte der territorialstaatliche Absolutismus, der in den meisten anderen deutschen Kleinstaaten existierte, nicht durchgesetzt werden. Europaweit einzigartig ist der vom quadratischen Markt ausgehende achtstrahlige Straßenstern in direkter Nachbarschaft des weitläufigen Schlossgartenareals. Einen herrlichen Rundblick auf die Stadt und ihr Umland genießt der Neustrelitz-Besucher von dem im toskanischen Stil erbauten Turm der Stadtkirche aus. Im 19. Jahrhundert wurde das Stadtbild von Neustrelitz baulich durch den Schinkelschüler Friedrich Wilhelm Buttel geprägt, der im Auftrag des Großherzogs Kirchen, Repräsentanzbauten und Wirtschaftsgebäude errichtete. Nach Plänen Buttels wurde 1840-42 auch der Kammerkanal erbaut, die schiffbare Verbindung bis nach Berlin und Hamburg. Ein Hafen am Zierker See entstand. Mit der Eröffnung des Eisenbahnverkehrs von Berlin nach Stralsund (1877/78) bzw. Rostock (1886) erhielt der Fremdenverkehr in Neustrelitz Aufschwung. Die Seen um die Stadt waren insbesondere in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts "Badewannen" der Berliner.
Das Residenzschloss wurde Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört und später abgetragen. Zum erhalten gebliebenen schönen Schlossgartenensemble mit seinen vielen Skulpturen, Brunnen und alten Bäumen gehören so wertvolle Bauten wie die neugotische Schlosskirche, die klassizistische Orangerie, der Marstall, der Hebetempel und die Gedächtnishalle für Königin Luise von Preußen. Die Gemahlin von Friedrich Wilhelm III. war eine geborene Prinzessin zu Mecklenburg-Strelitz. Einer ihrer Söhne wurde als Wilhelm I. deutscher Kaiser, eine Tochter Zarin von Russland. Königin Luise starb am 19. Juli 1810 nahe Neustrelitz auf Schloss Hohenzieritz.
Das herzogliche Haus Mecklenburg-Strelitz unterhielt durch Heirat Beziehungen in alle Welt. Eine mecklenburg-strelitzer Prinzessin, Sophie Charlotte, war 1761-1818 Königin von England. Ihr zu Ehren gab übrigens der englische Botaniker Joseph Banks, Direktor der Royal Gardens in Kew bei London, einer exotischen, 1773 aus Südafrika mitgebrachten Blüte den Namen Strelitzia reginae. Obwohl einer der kleinsten deutschen Staaten, war Mecklenburg-Strelitz erfüllt von einem regen geistigen und kulturellen Leben, das sich in Architektur, Kunst und Zeugnissen der Wissenschaft vielfältig widerspiegelt. Insbesondere in der Residenz wirkten Persönlichkeiten, deren Leistungen weit über provinzielle Grenzen hinweg Anerkennung fanden. So schuf der jüdische Sprachforscher Prof. Daniel Sanders (1819-1897) in Strelitz das bis heute international anerkannte "Wörterbuch der deutschen Sprache". Er und sein Freund, der Literat und Demokrat Adolf Glaßbrenner waren führende Köpfe des aktiven Strelitzer Reformvereins von 1848. Die Bildhauer Christian Philipp und Albert Wolff, Vater und Sohn, befreundet mit Christian Daniel Rauch, wirkten in der Residenzstadt. Der in Neustrelitz geborene Künstler Wilhelm Riefstahl, (1827-1888) späterer Direktor der Karlsruher Kunstakademie, war ein über Deutschlands Grenzen anerkannter Landschaftsmaler. Der Archäologe Heinrich Schliemann ging hier zur Schule. Der Naturwissenschaftler und Begründer des Naturhistorischen Museums Hamburg Prof. Carl Kraepelin (1848-1915) wuchs gemeinsam mit seinem Bruder Emil Kraepelin (1856-1926), Begründer des Max-Planck-Institutes für Psychiatrie, in Neustrelitz auf... Das kulturelle Profil von Mecklenburg-Strelitz wird seit mehr als zweieinhalb Jahrhunderten durch das neustrelitzer Theater bestimmt, das 1769 als Hoftheater eröffnet wurde und bis heute als Landestheater mit beachtenswerten Aufführungen im Schauspiel und Musiktheater auf sich aufmerksam macht.
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